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Japan und Whisky?

Inzwischen versuchen sich ja viele Destillerien außerhalb von Irland und Schottland in der Produktion von Whisky. Aber Japan war früher ein zerstörtes Land. Es hatte einen Weltkrieg verloren und wurde von zwei amerikanischen Atombomben verstrahlt. Später hat man dort versucht Qualitätsartikel nachzubauen. Japanische Fahrzeuge galten jahrelang als "Reiskocher" und wurden belächelt. Heute weiß jeder, daß sich die Japaner vom simplen Nachbauen weit entfernt haben. Tayotas führen als zuverlässigste Autos die ADAC-Pannenstatistik an, Motorräder von Honda gewinnen Rennen und in der Elektrotechnik ist Japan weltweit führend. Aber gilt das auch für Whisky?

Ich habe vorgestern den Suntory Yamazaki 12 Jahre verkostet und war von diesem Whisky mehr als angenehm überrascht. Ich hatte eher den Geschmack "der aufgehenden Sonne" erwartet, eher etwas typisch Japanisches, und bekam einen runden vollmundigen Whisky, der einem Scotch Single Malt in gar nichts nachsteht.

Die Destillerie wurde schon 1923 gegründet und hat deshalb nichts mit der industriellen Moderne zu tun. Und wie ich denke, hat man in Japan auch die Kunst der Destillation erlernt. Allerdings wird der Suntory Yamazaki nach wie vor als "Pure Malt" und nicht als "Single Malt" verkauft. Und früher war es bei Suntory üblich, ihrem Erzeugnis Scotch Malt beizumischen, um ihn geschmacklich aufzubereiten. Derzeit gehören dem Suntory-Konzern auch die schottischen Destillerien Auchentoshan, Bowmore und Glen Garioch. Und so gut dieser Whisky auch schmeckt, ich bin fast sicher, daß nach wie vor ein guter Schuß Bowmore dabei ist.

Trotzdem würde ich einen Suntory Yamazaki keinesfalls ausschlagen. Er ist es wert verkostet zu werden und zwar sowohl von Malttrinkern als auch Leuten, die einfach nur neugierig sind. Das aktuelle Erzeugnis ist auch bestimmt dazu geeignet, jeden Whiskyliebhaber in Verwirrung zu bringen. Eine Wette im Freundeskreis würde ich leicht gewinnen, wenn ich erraten lassen würde, aus welcher Gegend dieser Stoff kommt. Der herrliche Geschmack geht aber einher mit einem eben solchen Preis: 55 Euro für 0,7 Liter.

Aktuelle Verkostung

Whisky: Suntory Yamazaki, 12J., 43% Vol.

Nase (Duft): Zuerst kommt ein dunkler kräftiger Malt in die Nase, es duftet kraftvoll nach süßen dunklen Eichenholztönen (Moder, Moos, Laub, Herbst)

Körper: Schwer

Geschmack: Sehr voluminös und gut balanciert, etwas brennend und trocken, doch komplex, rund und kräftig

Abgang: Ein SEHR langer warmer Abgang, der mich sehr überrascht hat. Ein wundervoller Stoff!

Bewertung (Skala 1-10): 8,2.

Bekannte Brennereien

Bekannte japanische Brennereien sind:
-> Fuji Gotemba, 1973 am Fuß des Fujisan erbaut, gehört zu Kirin/Mitsubishi;
-> Hakushu, 1973 in Yamanashi auf Honshū erbaut (24 Brennblasen), seit mitte der 1990er stillgelegt, gehört zu Suntory;
-> Hakushu Higashi 1981 in Yamanashi auf Honshū erbaut (12 Brennblasen), inzwischen als Hakushu vertrieben, gehört zu Suntory;
-> Hanyu, 1941 in Hanyu erbaut, von 1980 bis zur Schließung 2000 wurde Whisky produziert, 2004 wurden die beiden Brennblasen entfernt;
-> Kagoshima, in der Präfektur Kagoshima auf Kyūshū produzierte bis 1984 Whisky, gehört zu Hombo Spirits;
-> Karuizawa, 1955 bei Nagano auf Honshū erbaut, gehört zu Kirin/Mitsubishi;
-> Sendai/Miyagkyo, 1969 nahe Sendai auf Honshū erbaut, verfügt über acht Brennblasen, gehört zu Nikka;
-> Shinshu, 1985 in etwa 800m Höhe in Kamiinagun auf Honshū erbaut, gehört zu Hombo Spirits;
-> Yamazaki, 1923 zwischen Ōsaka und Kyōto auf Honshū erbaut (12    Brennblasen), seit 11. November 1924 wird hier Whisky produziert, seit 1929 ist er erhältlich, gehört zu Suntory;
-> Yoichi, 1934 auf Hokkaidō erbaut, seit 1936 wird Whisky produziert, seit 1940 ist er erhältlich, gehört zu Nikka.