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Wohl kein Land auf der Welt ist so berühmt für seinen Wodka wie Rußland. Rußland ist der Ursprung und Inbegriff des Wodkas überhaupt. Er wird dort ebenso in rauhen Mengen produziert wie auch konsumiert (letzteres leider auch oft in zu rauhen Mengen). Russische Auswanderer waren es, die Wodka überhaupt nach Westeuropa und den USA brachten

Hersteller

In Russland gibt es unzählige Wodkabrennereien, von Großunternehmen - mittlerweile teilweise in Joint-Venture mit westlichen Spirituosenproduzenten - bis hin zu kleinen Einzel- und Schwarzbrennbetrieben.

Der größte Lieferant für exportierte Wodkas ist das Konsortium Sojusplodoimport, von dem auch die meistgetrunkensten Wodkamarken der Welt, Moskovskaja und Stolchinaya, ins Ausland geliefert werden. Welche am Konsortium beteiligte Brennerei dann die Moskovskaja-Flasche herstellt, ist mehr oder weniger Zufall. Ein Zufall, der dann den im Westen gekauften vermeintlichen Moskauer Wodka aus Sibirien oder St. Petersburg kommen lässt. Die Marken des Konsortiums unterscheiden sich ausschließlich durch den unterschiedlichen Charakter der Wodkas durch verschiedene Nuancen in der Herstellung.

Ursprungsstoffe

Der traditionelle Rohstoff für die russische Wodkaproduktion ist Roggen. Daneben kann auch anderes Getreide oder Kartoffeln Verwendung finden, wobei letzteres jedoch verpöhnt ist. Westliche/Exilrussische Sorten basieren auch auf aus Zuckerrüben hergestellter Melasse, allerdings recht selten. Neben Wasser braucht man zur Wodkaherstellung außerdem noch Hefe. Wofür, steht dann gleich im nächsten Abschnitt.

Würze und Maische

Die festen Rohmaterialien werden zerkleinert, mit Wasser vermischt und erhitzt, bis sich die in den Rohstoffen gelöste Stärke in Zucker verwandelt.

Der dabei entstehende süßliche Brei nennt sich Würze. In diese Würze wird nun Hefe gegeben, um einen Gärungsprozess zu starten, wodurch die alkoholhaltige Maische entsteht, das Ursprungsprodukt für die nun anstehende Destillation.

Destillation und Filtration

Durch mehrfache Destillation wird nun aus der Maische Alkohol gewonnen. Die Maische wird auf etwa 80 Grad erhitzt. Bei dieser Temperatur (genau 78,4 Grad Celsius) siedet der Alkohol, während das Wasser zurückbleibt und so werden automatisch beide Stoffe getrennt. Wer sich für diesen Prozess genauer interessiert, sei hier auf unsere Buchtipps verwiesen.

Im Gegensatz zu anderen Spirituosen, die die bei der Gärung entstandenen Aromastoffe im fertigen Produkt beinhalten, wird das Wodka-Destillat so weit wie möglich gereinigt. Die verbleibenden Aromastoffe der Gärung sind im fertigen Wodka minimal. Die Ausfilterung wird mit Holzkohle durchgeführt, der die Aromastoffe absorbiert. Am Ende wird das Ganze nochmals papiergefiltert und nach Vermengung mit Wasser ist der pure Wodka fertig. Bei aromatisierten Wodkas werden bestimmte Früchte oder Gewürze in das gereinigte Destillat oder den fertigen Wodka eingelegt und dann wieder herausgenommen. Aromatisierung hat somit nichts mit dem Mischen von Cocktails zu tun.

Trotz der Minimierung der Aromastoffe in der Filterung schmecken Wodkas übrigens nicht gleich. Neben der Qualität besitzen sie durchaus unterschiedliche Charaktere. Am deutlichsten sind die Unterschiede zwischen Wodkas unterschiedlicher Herkunftsländer, wobei russische Wodkas im Vergleich zu westlichen ausgesprochen viel Charakter besitzen.

Russische Wodkageschichte

Vom ersten Wodka bis zum Joint Venture

Die Anfänge

Das Destillationsverfahren an sich war bereits in der Antike bekannt. Die Kenntnisse darüber wurden im Mittelalter von Mönchen bewahrt, wobei hauptsächlich die Herstellung von Branntwein aus dem Rohstoff Wein erfolgte. Aus Italien gelangte über Kaufleute der Branntwein nach Rußland, etwa ab dem 16. Jahrhundert auch die Kunst dessen Herstellung. Nun musste nur noch ein findiger Kopf auf die Idee kommen, statt Wein einheimischen Roggen zu verwenden und schon war der Vorläufer des Wodkas geboren. Wer das war, ist übrigens ungeklärt und auch die Polen reklamieren für sich das Recht der Erfindung dieses heute so populären Getränks.

Wodka im Zarenreich

Zunächst wurde der Wodka vom 16. bis 18. Jahrhundert von dazu vom Zar authorisierten Tavernen hergestellt. Nachdem sich dieses System mehr und mehr nicht mehr bewährte (Verschuldung bei den Wirten und sinkende Produktqualität), gab Zar Peter der Große die Wodkaproduktion allgemein frei und besteuerte sie. Seite Nachfolgerin Katharina II. reformierte die Wodkaherstellung erneut und führte ein Wodka-Herstellungsprivileg von Adel und staatlichen Brennereien ein. Die Qualität stieg daraufhin vorangetrieben durch die Profitchancen der privilegierten Produzenten und Wodka wurde erstmals ein russischer Exportartikel ins Ausland.

Der hochwertige Wodka war jedoch knapp und die Staatsdestilerien gingen durch geschickte Marktmanipulation der adeligen Konkurrenz nach und nach pleite. Neben Importen von billigem Fusel aus dem Ausland blühte infolge dessen mehr und mehr auch wieder die inländische Schwarzbrennerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde von der Regierung versucht, die unüberschaubar gewordene Anzahl der Wodka-Produktionsstätten zu vermindern. Diese Maßnahme gipfelte schließlich 1890 in ein Staatsmonopol bei der Wodkaherstellung.

Wodka im Kommunismus

Die erste Tat der Kommunisten nach der Machtübernahme in Rußland war ein Verbot der Wodkaproduktion. Dies führt übrigens zu einer Emigrationswelle von Wodkaproduzenten, zu denen auch Namen wie Smirnoff und Gorbatschow gehörten, die heute wohl den meisten als westliche (eben exilrussische) Wodkabrennereien geläufig sein dürften.

Das offizielle Verbot war jedoch natürlich nicht das Ende der Wodkaherstellung in Rußland und unter den Druck der Tatsache, dass irgendwie auch weiter Wodka hergestellt wurde, wurde die Produktion ab 1936 auch wieder offiziell, wenn auch mengenmäßig beschränkt, zugelassen. Einen Gesinnungswandel gab es dann wieder zur Zeit des 2. Weltkrieges. 1943 wurde sogar eine reguläre Wodka-Tagesration für Soldaten eingeführt. Nach dem 2. Weltkrieg war trotz der anfänglichen Versuche der Kommunisten, den Wodkakonsum komplett zu unterbieten, wieder alles beim alten. Wodka war billig und getrunken wurde er in (oft zu) rauhen Mengen. Erst im Zeitalter Gorbatschows (nun ist der Generalsekretär und nicht der Wodka gemeint) wurde der erste Nachkriegsversuch einer Kampagne gegen Alkoholmissbrauch gestartet. Auch Kleinbrennereien, die mindertwertigen und oft gesundheitsschädlichen Fusel herstellten, wurden reihenweise geschlossen.

Wodka im postkommunistischen Rußland

Nach dem Ende der Sowjetunion 1990 hielt auch in der Wodkaproduktion der Kapitalismus Einzug.

Ausländische Investoren übernahmen zahlreiche der qualitativ hochwertigeren Brennereien und das Staatsexportunternehmen für Wodka wurde in ein Konglomerat russischer Großbrennereien umgewandelt, das heute noch Marken wie Moskowskaja oder Stolchinaya exportiert. Wohl das bekannteste Beispiel für die Übernahme einer russischen Destillerie durch einen westlichen Spirituosenriesen ist der Kauf des moskauer Unternehmens Cristall durch den ursprünglich exilrussischen Konzert Smirnoff. Interessanterweise hat Smirnoff hier zur Produktion des Smirnoff Black ´original´ aus Russland eben jene Brennerei übernommen, die Mr. Smirnov vor seiner Flucht aus Rußland 1917 besaß.

Daneben halten sich aber auch zahlreiche Kleinbrennereien - wobei die Herstellungs-Bandbreite von den besten Wodkas der Welt bis hin zu Billigfusel reicht. Man kann jedoch davon ausgehen, das alle im großen Stil exportierten Marken zu den qualitativ besten Wodkas gehören, die auf dem Weltmarkt wie im heimischen Supermarktregal erhältlich sind. Die wichtigsten Wodkamarken aus dem heutigen Rußland werden hier (klassische) und hier (aromatisierte) vorgestellt. Was aus den 1917 emigrierten Wodkaherstellern wurde, kann man hier nachlesen.